Lob der Disziplin

Eine Streitschrift

Kaum ein pädagogisches Werk ist in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert worden wie das "Lob der Disziplin" (2006) von Bernhard Bueb. Mehr als 30 Jahre (1974-2005) leitete der 1938 geborene Theologe und Pädagoge das Internat Schloss Salem in der Nähe des Bodensees. Schon als Rektor der schwäbischen Eliteschule war Bueb keineswegs unumstritten.

Gegen den erbitterten Widerstand der Lehrerschaft ließ er die Schüler – unabhängig von Verdachtsmomenten – regelmäßig auf Alkohol und Drogen testen. Nicht zuletzt der Untertitel des oben genannten Werkes lässt erkennen, dass der Pädagoge auch im Ruhestand keinem Konflikt aus dem Weg geht: "Eine Streitschrift" hält er allen - der 68er-Bewegung entsprungenen - Ansätzen der Reformpädagogik entgegen.

Bernhard Bueb plädiert für eine Balance zwischen "Führen und Wachsenlassen, Disziplin und Liebe, Kontrolle und Vertrauen". Er fordert Lehrer und Eltern auf, wieder mehr "Mut zur Erziehung" aufzubringen, den Kindern Grenzen zu setzen und sie – wenn nötig – auch einmal zu bestrafen: "Nur strenge Eltern sind gute Eltern".

Ein ganz anderes Bild zeichnet der amerikanische Spielfilm "Der Club der toten Dichter" (1989). In diesem Film zerbricht ein sensibler Schüler an der Disziplin seines Internats und an der Strenge seiner Eltern.

Ausgerechnet ein Lehrer, der von seinen Schülern nur "Captain" genannt wird, begehrt gegen das konservative Bildungssystem auf und führt die Schüler in eine von der Kraft der Poesie getragene Mündigkeit. Die Schüler gründen heimlich einen Club, sie treffen sich nachts im Wald und tragen sich gegenseitig Gedichte vor.

Der Lehrer lässt sie im Unterricht auf die Tische steigen, damit sie die Welt aus einer neuen Perspektive sehen. Weil er die Ideale der Schule in Frage stellt, gerät der Lehrer in einen unlösbaren Konflikt mit der Schulleitung und der Elternschaft und wird schließlich entlassen.

Als der Lehrer nach seiner Entlassung noch einige persönliche Dinge aus dem Klassenzimmer holen will, erweisen die Schüler ihm eine letzte Referenz. Während der machtlose Rektor tobt, steigt ein Schüler nach dem anderen auf den Tisch und ruft: "O Captain, mein Captain". Der Lehrer dankt – und geht.


 

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