Ostern heute

Glaubst du daran?

Eine der schönsten Ostergeschichten, die ich kenne, stammt von dem dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen (1805-1875).

Es waren einmal zwei Kinder, die hießen Gerda und Kai. Sie waren keine Geschwister, aber sie hatten sich lieb wie Bruder und Schwester. Als der Winter ins Land zog, da geschah etwas Seltsames: Ein Schneekristall fiel vom Himmel. Es fiel und fiel und drang dem Kai mitten ins Herz. Und Kai war plötzlich wie verwandelt. Er wollte nichts mehr von Gerda wissen. Er beteiligte sich nicht mehr am gemeinsamen Spiel. Er zerstörte die Rosen, die ihm Gerda geschenkt hatte. Und er interessierte sich nur noch für Schneekristalle.

Eines Tages, mitten im Winter, ging Kai zum Schlittenfahren. Dabei wurde er von der bösen Schneekönigin entführt. Sie nahm ihn mit in das Reich der ewigen Kälte und Finsternis.

Gerda weint lange um ihren Freund Kai – solange, bis der Frühling kommt. Sie glaubt, Kai sei im Eis eingebrochen. Aber der Sonnenschein sagt: "Das glaube ich nicht!". Gerda glaubt, Kai sei im Fluss ertrunken. Aber die Schwalben sagen: "Das glauben wir nicht!". Und am Ende glaubt es Gerda selber nicht mehr. Sie zieht sich ihre roten Schuhe an und macht sich auf die Suche nach Kai. Nach einer langen Reise findet sie ihn endlich, ganz im Norden, im Schloss der Schneekönigin. Gerda will ihn umarmen - doch Kai ist zu einer Eisfigur geworden. Sie umarmt ihn trotzdem und fängt an zu weinen. Ihre heißen Tränen dringen ein in sein Herz. Sie bringen das Schneekristall in seinem Herzen zum Schmelzen. Schließlich bricht auch Kai in Tränen aus und schließt Gerda in die Arme.

Hans Christian Andersen schließt mit den Worten: "Da saßen sie beide, erwachsen und doch Kinder. Und es war Sommer, warmer, wohltuender Sommer".

Der deutsche Liedermacher Gerhard Schöne (geb. 1952) fragt in einem seiner Lieder: "Dass die Blinden wieder sehen: Glaubst du daran? Dass die Lahmen wieder gehen: Glaubst du daran? Dass es freundlich wird auf Erden: Glaubst du daran? Dass wir langsam klüger werden: Glaubst du daran? Dass die Stillen triumphieren: Glaubst du daran? Die Behutsamen regieren: Glaubst du daran? Dass die Stummen Lieder schreiben: Glaubst du daran? Dass die Dornen Rosen treiben: Glaubst du daran?". Ich glaub' daran!


 

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