Befiehl du deine Wege

Wenn Eltern ihr Kind verlieren

"Befiehl du deine Wege", "Die güldne Sonne", "Du, meine Seele, singe", "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", "Ich singe dir mit Herz und Mund", "Lobet den Herren", "Nun ruhen alle Wälder". So heißen die bekanntesten Lieder des Pfarrers und Dichters Paul Gerhardt (1607-1676), dessen Geburtstag sich am 12. März zum 400. Mal jährt.

Die meisten Texte sind am Ende des 30-jährigen Krieges in Berlin entstanden und spiegeln die Freude über den Westfälischen Frieden von 1648 und die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft unter Gottes Schutz und Segen wider.

Einige Texte beziehen sich aber auch auf das Leben des Dichters, der im Alter von 48 Jahren zum ersten und einzigen Mal heiratete. Seine Frau Anna Maria, geborene Berthold, schenkte ihm fünf Kinder, von denen nur ein einziges, der Sohn Paul Friedrich, überlebte. Die anderen vier Kinder starben schon bald nach der Geburt. "Ach, es ist ein bittres Leiden", klagt Paul Gerhardt in einem seiner Lieder, "sich von seinen Kindern scheiden".

In einem anderen Lied berichtet er von seinen enttäuschten Hoffnungen: "Ich wollte sagen: Bleib bei mir! Du solltest sein meines Hauses Zier". Er benennt auch seinen Schmerz über Gottes Entscheidung "Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt! Gott spricht: Willkommen, liebes Kind!". Trost findet Paul Gerhardt nur in der Vorstellung, dass seinem Kind irdisches Leid erspart geblieben ist und dass es ein Wiedersehen im Himmel gibt.

Am meisten berührt mich jedoch das Lied "Mein herzer Vater, weint Ihr noch?", das Paul Gerhardt für andere Eltern geschrieben hat, die ebenfalls ein Kind verloren hatten. Da lässt er das verstorbene Kind zu seinen Eltern sprechen: "Da will ich Eure Treu und Müh / und was Ihr Eurem Kranken / erwiesen habt, im Himmel hie, / sobald Ihr kommt, verdanken".


 

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