Ein Dorf wird zum Kalender

Zählhilfe für Kinder

Der Adventskalender ist eine Zählhilfe für Kinder. Er beginnt nicht, wie bisweilen angenommen, am 1. Advent sondern am 1. Dezember und soll die Zeit des Wartens auf den Heiligen Abend verkürzen. Die Ursprünge dieses Kalenders liegen im deutschen Kulturprotestantismus des 19. Jahrhunderts. Thomas Mann erzählt in seinem Roman "Buddenbrooks" (1897-1900), dass der kleine Hanno "das Nahen der unvergleichlichen Zeit" auf einem Abreißkalender verfolgt, den das Kindermädchen für ihn gebastelt hat.

Der erste gedruckte Adventskalender wurde im Jahr 1904 von dem Münchner Verleger Gerhard Lang veröffentlicht. Dieser Kalender bestand aus einem Weihnachtsmotiv, das von Kindern mit 24 Klebebildern ergänzt werden konnte. Im Jahr 1958 erschien der erste mit Schokolade gefüllte Adventskalender. Mein persönlicher Favorit - in optischer und geschmacklicher Hinsicht - ist zur Zeit der "Schatz der Zaren" in Gestalt einer russischen Babuschka.

Der 3. Dezember in Unfinden
Foto: Niko Natzschka

Noch mehr beeindruckt mich allerdings der "lebendige Adventskalender", den die Bürger von Unfinden vor einem Jahr geschaffen haben. Unfinden, ein kleiner Ortsteil von Königsberg in Bayern, besteht überwiegend aus Fachwerkhäusern. Die Fensterläden dieser Häuser werden in der Adventszeit geschlossen. Vom 1. bis zum 24. Dezember wird an jedem Abend ein anderes Fenster, das nicht vorher bekanntgegeben wird, geöffnet. Die Kinder des Dorfes ziehen dann von Haus zu Haus und suchen das Fenster des jeweiligen Tages. Und wenn sie es gefunden haben, bestaunen sie den Adventsschmuck, der sich dahinter verbirgt. Und der Bewohner des jeweiligen Hauses liest den Kindern eine Adventsgeschichte vor.

Nicht nur ein Dorf kann zu einem Kalender werden, sondern auch jeder seiner Bürger. In einem Kinderlied heißt es: "Mein Herz ist ein Adventskalender. Ich öffne täglich eine Tür. So kann ich meine Welt verändern. Jeden Tag ein wenig mehr".


 

 

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