Ein Gasthof hat Namenstag

Überraschung am 6. Januar


Caspar, Melchior und Balthasar in der Martin-Luther-Kirche (Foto: Katz)

"Weihrauch und Myrrhe brauche ich nicht", sagte sich der Gastwirt Sepp Hinterhuber, "aber ich hätte gerne etwas Gold". Darum beschloss er, in seinem Gasthof "Zu den heiligen drei Königen" die Preise zu erhöhen. "Die Mark geht, der Euro kommt", dachte er sich, "da wird es keiner merken". Doch der Wirt hatte seine Rechnung ohne den Gast gemacht. Trotz guter Schneeverhältnisse blieb das Haus diesmal leer.

Endlich, am Morgen des 6. Januar, standen drei Amerikaner vor der Tür. Sie kamen mit dem Leihwagen, verlangten ein Dreibettzimmer und bezahlten im voraus mit Kreditkarte. Der Wirt freute sich über die schon lange erhoffte Einnahme. Aber zugleich misstraute er seinen Gästen und fühlte sich schon bald bestätigt. Denn die drei Männer gingen nicht zum Skifahren, sondern schnüffelten in seinem Gasthof herum. Dabei stellten sie fest, dass der Sepp zum Jahreswechsel die Preise erhöht hatte und dass er seine kranke Frau in der Küche schuften ließ, während er dem Zimmermädchen nachstellte.

Nach dem Abendessen holten die drei Männer den Wirt zu sich an den Tisch. Einer von ihnen, ein Farbiger, führte das Wort: "Wir meinen", sagte er, während die beiden anderen nickten, "dass Sie das Schild über Ihrem Tor entfernen sollten. "Wieso das denn?", fragte der Wirt empört. "Weil es in einem Haus, das nach den heiligen drei Königen benannt ist, heiliger zugehen sollte", sagte der Farbige. "Das ist ja eine Unverschämtheit", tobte der Sepp, "verlassen Sie sofort mein Haus". Die drei Männer ließen sich nicht lange bitten. Sie packten ihre Koffer und reisten unverzüglich ab.

Der Wirt stand voller Zorn im Tor und sah den ungeliebten Gästen noch lange nach. Dann blickte er nach oben zu dem Schild, das seit Jahrhunderten über seinem Gasthof hing. Dabei erschrak er zutiefst. Denn die drei schmiedeeisernen Könige sahen genauso aus wie die drei Männer, die er gerade davongejagt hatte.

Der Sepp drehte sich um und sah in die Augen seiner Frau. "Maria", sagte er unter Tränen, "verzeih mir". Sie sagte nichts, sondern ergriff nur seine Hand. "Die drei Könige sind jetzt weg", sagte er. "Aber ich werde mich künftig so benehmen, als wären sie noch immer meine Gäste".


 

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