Gute Freunde bleiben

Die fünf Phasen einer Beziehung

"Und sie liebten sich gigantisch". So heißt mein persönliches Lieblingslied von Udo Lindenberg. Der tragikomische Text erzählt von einer Liebesbeziehung, die im Rausch der Sinne beginnt und in einem Alptraum aus Streit und gegenseitigen Vorwürfen endet. Nach einem soziologischen Modell verläuft jede Beziehung in fünf Phasen.

In der Phase der Verliebtheit sind zwei Menschen voneinander restlos begeistert. Sie verbinden ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, entwickeln gemeinsame Visionen. Sie idealisieren ihren Partner und verdrängen dessen Schwächen.

In der Phase der Ernüchterung erkennen die beiden Partner, dass die Verliebtheit sie blind gemacht hat. Sie entdecken die Schwächen des anderen und auch die eigenen Grenzen. Diese Phase ist schmerzlich, weil sie mit Konflikten verbunden ist.

In der Phase der Entscheidung prüfen beide Partner, was sie nach Abzug aller Illusionen noch verbindet. Und sie handeln die Bedingungen für eine Fortsetzung ihrer Beziehung aus.

In der Phase der Konsolidierung führen die beiden Partner eine stabile Beziehung, die von gegenseitiger Wertschätzung bestimmt ist. Sie empfinden ihre Unterschiedlichkeit nicht mehr als Defizit sondern als Bereicherung.

In der Phase der Trennung brechen die oben genannten Konflikte wieder auf. Die beiden Partner erkennen, dass sie nicht oder nicht mehr zusammenpassen und trennen sich entweder im gegenseitigen Einvernehmen oder im Streit.

Jedes Paar kann die fünf Phasen einer Beziehung nicht nur einmal sondern mehrmals durchlaufen, im Extremfall sogar jeden Tag einmal: morgens noch verliebt und abends schon wieder getrennt.

Natürlich kann man sich nach jeder Trennung wieder einen neuen Partner suchen. Aber man kann sich auch - mittels der Ehe - auf einen bestimmten Partner festlegen. Die Ehe ist die Bereitschaft, alle fünf Phasen immer wieder mit demselben Partner zu durchleben.

Die Ehe ist ein hohes Ideal. Nicht jeder hat die Kraft, sie durchzuhalten. Manchmal ist es sogar besser, wenn zwei Menschen getrennte Wege gehen. Es ist ein Glück, wenn sie trotzdem gute Freunde bleiben. 


 

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