In den Schuhen des Fischers

Ein Papst macht sich auf den Weg

"In den Schuhen des Fischers". So heißt ein Roman des australischen Schriftstellers Morris L. West, der im Jahr 1968 mit Anthony Quinn in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Dieser Film nimmt - in nahezu prophetischer Weise - die im Jahr 1978 erfolgte Wahl des ersten Osteuropäers in das Amt des Papstes vorweg.

Anthony Quinn spielt darin den katholischen Bischof von Lemberg Kyrill Lakota, der mehr als 20 Jahre in einem sibirischen Arbeitslager verbracht hat. Bischof Lakota wird auf Geheiß der sowjetischen Führung entlassen, um durch die Kraft seines Wortes den Frieden mit dem Nachbarland China zu sichern.

Bischof Lakota reist daraufhin nach Rom und wird vom Papst, gespielt von Sir Laurence Olivier, zum Kardinal ernannt. Als der Papst kurz darauf stirbt, wählen die anderen Kardinäle Kyrill Lakota - nach sieben erfolglosen Wahlgängen - völlig überraschend zu dessen Nachfolger.

Die Amtsführung von Papst Kyrill ist von dem Bewusstsein geprägt, dass er nicht in die Schuhe eines mächtigen Staatsmannes, sondern in die eines einfachen Fischers geschlüpft ist. Während er am Tag im Vatikan seinen repräsentativen Pflichten nachkommt, durchstreift er bei Nacht - von der Öffentlichkeit unbemerkt - die Straßen von Rom. Er blickt durch die Fenster in die erleuchteten Häuser, nimmt Anteil am Leben der Menschen und erkennt deren Elend und Verzweiflung. Am Ende des Films entschließt sich der Papst, die Schätze der Kirche zu verkaufen und den Erlös den Armen der Stadt und der ganzen Welt zukommen zu lassen.

Mich berührt dieser Film, weil er eine Kirche mit menschlichem Antlitz zeigt. Eine Kirche, die der Welt zugewandt ist, ohne sich der Welt anzupassen. Der Film zeigt einen Mann, der nach "ganz oben" aufgestiegen ist, aber nicht vergessen hat, wie es "ganz unten" aussieht. Einen Fischer, der sich wie Petrus um die ihm anvertrauten Menschen kümmert.


 

 

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