Der Stein auf der Palme

Vom Segen der Last

In Nordafrika erzählt man sich die folgende Geschichte: Durch eine Oase ging finsterer Mann, Ben Sadok. Er war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben.

Am Rande der Oase stand ein junger Palmbaum im besten Wachstum. Der stach dem finsteren Mann in die Augen. Da nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem bösen Lachen ging er nach dieser "Heldentat" weiter.

Die junge Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last abzuschütteln. Vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone.

Da krallte sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die steinerne Last. Er senkte seine Wurzeln so tief, dass sie die verborgene Wasserader der Oase erreichten. Dann stemmte er den Stein so hoch, dass die Krone über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenglut machten aus dem jungen Baum eine königliche Palme.

Nach Jahren kam Ben Sadok wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu freuen, den er glaubte, verdorben zu haben. Er suchte vergebens. Da senkte die stolzeste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: "Ben Sadok, ich muss dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht".

In der Bibel ist es nicht ein finsterer Mann, der die Steine verteilt, sondern Gott selbst. Der Psalmbeter sagt einmal: "Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch". Eine solche Last können sein: eine körperliche Einschränkung, eine seelische Krankheit, ein missgünstiger Kollege oder ein zänkischer Angehöriger.

Wir können Gott bitten, dass er den Stein von unserem Scheitel wegnimmt. Manchmal tut er das auch. Aber oft auch nicht. Dann will er, dass wir durch diese Last im Glauben an ihn und in der Liebe zueinander wachsen. Gott verteilt nicht nur Steine. Er hilft auch, sie zu tragen.


 

 

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