Adel verpflichtet

Der ungehorsame General

Ein Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er steht auf einem Grabstein in der Dorfkirche von Friedersdorf im östlichen Brandenburg. Dieser Stein ist dem preußischen General Johann Friedrich Adolf von der Marwitz (1723-1781) gewidmet, der unter Friedrich dem Großen seinen Dienst tat und dafür mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet wurde.

Als die preußische Armee am Ende des Siebenjährigen Krieges das sächsische Jagdschloss Hubertusburg bei Leipzig eroberte, schenkte Friedrich der Große seinem verdienten General dieses Schloss mit der Verpflichtung, es gründlich zu plündern. Doch von der Marwitz weigerte sich aus Gewissengründen, dem königlichen Befehl zu folgen.

Daraufhin fiel der General bei seinem König in Ungnade, er wurde unehrenhaft aus der Armee entlassen, sammelte Bücher und Gemälde und starb, wie sein Neffe schreibt, "völlig insolvent" als "Freund der Literatur und der Kunst". Genau dieser Neffe ließ auf den Grabstein seines Onkels schreiben: "Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte".

Dieser Satz lässt mich erahnen, was es heißen könnte, ein Adliger zu sein. Ein Adliger ist nicht in jedem Fall ein Schlossbesitzer, der ein "von" im Namen führt und einen Orden trägt. Ein Adliger kann auch ein Mensch sein mit einer edlen Gesinnung. Ein Mensch, der seinem Gewissen folgt und dem König widerspricht, wenn er im Unrecht ist. In diesem Sinn kann jeder von uns ein Mensch von Adel sein.

Niko Natzschka

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