Die Mischehe

Handschlag über der Mauer

Ihre Ehe war ein Skandal. Als der 33-jährige Jacob van Gorkum am 3. November 1842 im niederrheinischen Pont bei Geldern die 11 Jahre jüngere Josephina Freifrau von Aefferden heiratete, fand sich kein Pfarrer, der dazu bereit war, die Trauung zu vollziehen. Der Anstoß bestand allerdings nicht in dem Altersunterschied des Brautpaares, sondern in ihrem Standes- und Konfessionsunterschied. Er war ein einfacher Soldat, sie eine angesehene Adelsfrau. Er war evangelisch, sie katholisch. Ein Skandal für die damalige Zeit.
Jacob und Josephina heirateten trotzdem. Allen Anfeindungen zum Trotz führten sie eine glückliche "Mischehe". Sie bekamen fünf Kinder und lebten 38 Jahre lang in der niederländischen Stadt Roermond. Im Jahr 1880 starb er, sie acht Jahre später. Doch die Stadtverwaltung verweigerte den beiden ein gemeinsames Grab: Er wurde im evangelischen Teil des Friedhofs beerdigt, sie im katholischen Teil. Immerhin Kopf an Kopf, aber durch eine Mauer getrennt.
Doch die Kinder wollten sich damit nicht abfinden: Sie ließen beide Grabmäler hochziehen und daran zwei steinerne Hände anbringen, die sich über der Mauer berühren. Das Doppelgrab von Roermond ist bis zum heutigen Tag ein Symbol der Ökumene, aber vor allem ein Zeichen der Liebe, die alle Grenzen überwindet.

Niko Natzschka

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