Alle Dinge sind möglich

Der Sprung aus der Kanne

Endlich ist es soweit: Am 20. März um 18.32 Uhr beginnt – zumindest im kalendarischen Sinne des Wortes – der Frühling. Und am 21. März werden in meiner Gemeinde - hoffentlich bei frühlingshaftem Wetter – sieben Jungen und vier Mädchen konfirmiert.

Seit 60 Jahren gibt es in der Martin-Luther-Kirche das Fest der Konfirmation. Ein Blick in die Kirchenbücher zeigt, dass sich nicht nur die Namen der Konfirmanden sondern auch die Konfirmationssprüche völlig verändert haben.

Die Konfirmanden des Jahres 1950 hießen zum Beispiel Karl und Grete. Die Konfirmationssprüche wurden damals vom Pfarrer festgelegt. Karl erhielt den Spruch: "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens und ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist". Und Gretes Spruch lautete: "Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben".

Vor 30 Jahren wurden Thomas und Sabine konfirmiert. Im Jahr 1980 wurden die Sprüche in der Regel von den Eltern ausgesucht. Thomas erhielt den Spruch: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln". Und Sabines Spruch lautete: "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir".

Die Konfirmanden des Jahres 2010 heißen Luca und Chiara. Beide haben sich ihre Sprüche selbst ausgewählt. Luca erhält den Spruch: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen". Und Chiaras Spruch lautet: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt".

So wie die Namen spiegeln auch die Sprüche den Geist der jeweiligen Zeit wider. Ich lese daraus eine Entwicklung ab: vom Fremdanspruch (1950) über den Zuspruch (1980) bis zum Selbstanspruch (2010). Darum werde ich an der diesjährigen Konfirmation die folgende Geschichte erzählen:

Es waren einmal zwei Frösche, die hatten sich auf einen Bauernhof verirrt und sprangen ziellos durch die Gegend. Plötzlich landeten die beiden in einer Milchkanne. Sie tranken von der köstlichen Milch, bis sie satt waren. Dann wollten sie die Kanne wieder verlassen. Doch sie strampelten und zappelten vergeblich - denn die Wände waren zu glatt. Der eine Frosch ergab sich seinem Schicksal und ging unter. Der andere strampelte jedoch weiter, bis sich unter seinen Füßen eine Butterinsel gebildet hatte. Von dieser Insel sprang er mit einem großen Satz in die Freiheit.


 

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