Der Apfelpfannkuchen

Weihnachten als Fest der Kinder

Der Verzehr eines Apfelpfannkuchens in der Adventszeit ist für mich mehr als ein Akt der Nahrungsaufnahme: Er ist ein ungemein emotionales, ja sogar sinnliches Erlebnis, das mich an meine Kindheit erinnert. Das Rezept ist einfach, stammt von meiner Großmutter und enthält viel "gute Butter".

Man nehme sechs Eier und verrühre sie mit einem halben Liter Vollmilch und 300 g Weizenmehl sowie vier Esslöffeln Butter und einer Prise Salz zu einem Teig, der mindestens eine halbe Stunde ziehen muss. Währenddessen nehme man zwei oder drei Äpfel, schäle sie und schneide sie – nach Entfernung des Kerngehäuses - in Scheiben. Diese Scheiben brate man vorsichtig mit Butter in der Pfanne an und gebe dann den Pfannkuchenteig hinzu. Nach fünf Minuten kann der Pfannkuchen gewendet und nach weiteren fünf Minuten mit Zucker und Zimt betreut und schließlich serviert werden.

Ein ostfriesisches Märchen erzählt von drei alten Frauen, die gemeinsam einen Pfannkuchen zubereiten. Die erste gibt Fett in die Pfanne, die zweite Mehl und die dritte Milch und Eier. Als der Pfannkuchen fertig ist, richtete er sich plötzlich in der Pfanne auf und springt aus der Küche hinaus. Die drei Frauen folgen ihm, doch er ist schneller und läuft – kantaper, kantaper – in den Wald hinein. Dort begegnet er einem Hasen, der zu ihm sagt: "Du dicker fetter Pannekauken, komm her, ick will dich freten". Da antwortet der Pfannkuchen: "Ick bin den drei ollen Weibern entlofen und soll dem Häschen Wippsteert nicht entlofen?!". So entkommt der Pfannkuchen dem Hasen und lässt auch den Wolf Dicksteert, die Zicke Langbart, das Pferd Plattfaut und die Sau Haff stehen. Zuletzt kommen drei Kinder daher, die weder Vater noch Mutter haben, die sagen: "Lieber Pfannkuchen, bitte bleib stehen! Wir haben den ganzen Tag noch nichts gegessen". Da springt der Pfannkuchen in die Hände der Kinder und lässt sich von ihnen gerne verzehren.

Dieses Märchen erinnert mich an den Schriftsteller Hermann Hesse (1877-1962), der in seinem Adventsgedicht "Der Heiland" betont, dass die Weihnachtsbotschaft nur von denen verstanden werden kann, die noch nicht alles haben und sich wie Kinder freuen können: "Immer wieder, auch in diesen Tagen, / Ist der Heiland unterwegs, zu segnen, / Unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen / Mit dem stillen Blicke zu begegnen, / Den wir doch nicht zu erwidern wagen, / Weil nur Kinderaugen ihn ertragen".


 

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