Der Kaffee ist fertig

Die vier Seiten einer Botschaft

Im Gespräch zwischen Menschen ist das Missverständnis der Normalfall. Diese Erkenntnis liegt dem Vier-Seiten- oder Vier-Ohren-Modell des deutschen Psychologen Friedemann Schulz von Thun (geb. 1944) zugrunde. Nach diesem Modell enthält jede menschliche Botschaft vier Seiten, die vom jeweiligen Adressaten mit vier verschiedenen Ohren gehört werden können. Es gibt 1. die Sachebene, 2. die Selbstkundgabe, 3. das Beziehungsangebot und 4. den Appell.

Auf der Sachebene vermittelt der Sender Daten und Fakten, die vom Empfänger mit dem Sachohr auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüft werden.

Mittels der Selbstkundgabe macht der Sender bewusst oder unbewusst Angaben zu seiner Person, die vom Empfänger mit dem Selbstkundgabeohr entschlüsselt werden müssen.

Das Beziehungsangebot lässt erkennen, was der Sender vom Empfänger hält. Der Empfänger hört auf dem Beziehungsohr, ob er unter dem Sender oder auf einer Ebene mit ihm steht.

Mit dem Appell will der Sender den Empfänger dazu bewegen, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen. Der Empfänger hört mit dem Appellohr, ob der Sender ihm helfen oder ihn bevormunden will.

Dafür ein Beispiel. Eine Frau sagt zu ihrem Mann: "Der Kaffee ist fertig". Damit kann gemeint sein: 1. "Das Wasser ist durch den Filter gelaufen, der Kaffee ist trinkbereit". 2. "Ich habe heute keine Zeit, du kannst dich aber gerne in der Küche bedienen". 3. "Ich habe für uns Kaffee gemacht, lass uns gemeinsam eine Tasse trinken". 4. "Bitte komm zu Tisch und bring gleich aus der Küche die Kanne mit".

Ein Problem entsteht dann, wenn der Mann etwas anderes hört, als seine Frau meint – oder umgekehrt. Von diesem Problem berichtet Johannes in seinem Evangelium. Jesus führt eine Reihe von Gesprächen - mit seiner Mutter, seinen Jüngern, dem Pharisäer Nikodemus und der Samariterin am Jakobsbrunnen. Dabei reiht sich ein Missverständnis an das andere.

Johannes will damit offenbar zwei Dinge sagen: Erstens. Im Gespräch zwischen Gott und Mensch ist das Missverständnis der Normalfall. Und zweitens. Nur in der Liebe ist eine Verständigung möglich (Joh. 3,16).


 

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