Ein Dorf namens Swabedoo

Pelzchen oder Steine

Vor langer, langer Zeit, da gab es einmal ein Dorf, das trug den Namen Swabedoo. Dieses Dorf wurde von kleinen Leuten bewohnt, die sich Swabedoodahs nannten. Sie waren dankbar und zufrieden und lächelten von einem Ohr bis zum anderen. Und wenn die Ohren nicht gewesen wären, so hätten sie rundherum gelächelt.

Was die Swabedoodahs so glücklich machte, das waren ihre Pelzchen, die jeder in einem Sack auf seinem Rücken trug. Diese Pelzchen waren weich und flauschig. Sie wurden an jeden verschenkt, der einem gerade entgegenkam. Die Pelzchen sollten sagen: "Du bist mir wichtig" und "Ich mag dich so, wie du bist".

Doch außerhalb des Dorfes, in einer dunklen und feuchten Höhle, da wohnte ein großer grüner Kobold, der konnte die Harmonie in Swabedoo nicht ertragen. Darum lauerte der Kobold einem kleinen Swabedoodah auf, der sich nichtsahnend seiner Höhle näherte.

Aber der Kleine ließ sich nicht beirren: "Guten Tag", sagte er freundlich, "darf ich Ihnen ein Pelzchen schenken?". "Nein danke", knurrte der Kobold, "ich mag keine Pelzchen".

Der kleine Swabedoodah blickte überrascht zu ihm hinauf. Da beugte sich der Kobold zu ihm herunter und flüsterte ihm ins Ohr: "Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dass Dir irgendwann die Pelzchen ausgehen könnten?". Da erschrak der kleine Swabedoodah und lief, so schnell er konnte, wieder nach Hause.

Damit war das Misstrauen gesät in dem Dorf Swabedoo. Die Bewohner fingen an, ihre Pelzchen zu zählen und unter dem Bett zu verstecken. Keiner wollte seine Pelzchen mehr verschenken, sondern sie nur noch gegen eine entsprechende Leistung verkaufen. Die Swabedoodahs stritten sich um jedes einzelne Pelzchen. Und jeder wollte mehr haben als der andere. Vereinzelt kam es sogar zu Fällen von Pelzchenraub.

Oben am Waldesrand, da saß der grüne Kobold und rieb sich die Hände. Dann nahm er eine große Schubkarre und füllte sie mit kalten, stacheligen Steinen. Mit diesen Steinen zog er in das Dorf und verteilte sie an die Bewohner. Die Steine verletzten nicht nur die Hände, sondern sie zerstörten auch noch die letzten verbliebenen Beziehungen.

Da träumten die Swabedoodahs von den guten alten Zeiten, als jeder von ihnen noch einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen hatte. Und während die meisten noch mit Steinen handelten, fingen einige wieder an, Pelzchen zu verschenken, ohne zu fragen: "Was bekomme ich dafür?".


 

Copyright © 1999-2017 Martin-Luther-Kirche, Würzburg. Alle Rechte vorbehalten.
Impressum, Datenschutz, Haftungsausschluß
.