Für immer jung

Das Heilwunder aus Mexiko

Zu den schönsten Eindrücken meiner Mexiko-Reise gehörte ein Besuch in den "Schwimmenden Gärten" von Xochimilco. Dieser Ort, dessen Name wörtlich übersetzt "Blumenfeld" heißt, wurde von den Azteken gegründet und liegt heute am südlichen Rand von Mexiko-Stadt. Die Schwimmenden Gärten bestehen aus Holzflößen, die mit Schlamm bedeckt im Texcoco-See versenkt wurden. Die dadurch entstandenen Anbauflächen gehören zu den effektivsten der Welt und ermöglichen ganzjährige Ernten.

Das gesamte Gelände wird von einem Geflecht aus künstlich angelegten Kanälen durchzogen, die eine Gesamtlänge von 150 km ergeben. Auf diesen Kanälen fahren heute bunte Ausflugsboote, sogenannte Trajineras, die Frauennamen tragen und vor allem von einheimischen Familien für Sonntagsausflüge genutzt werden. Zu den Fahrgästen gehören aber auch Touristen aus Europa und seit einigen Jahren Stammzellenforscher.

Denn in den Kanälen von Xochimilco lebt ein nachtaktiver Schwanzlurch, der sonst nirgendwo auf der Welt vorkommt: Der Axolotl, dessen Name auf aztekisch "Gott des Wassers" bedeutet, wird aufgrund eines angeborenen Schilddrüsendefekts nie richtig erwachsen, sondern erreicht seine Geschlechtsreife im Larvenstadium. Aus diesem Grund verfügt der Axolotl über die erstaunliche Fähigkeit, Gliedmaßen, innere Organe und sogar das Auge vollständig zu regenerieren.

Die ersten Axolotl, zwei Weibchen, wurden am 3. August 1804 von dem deutschen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt (1769-1859) in Europa eingeführt. Der Wissenschaftler überantwortete die beiden Tiere dem Pariser Naturkundemuseum. Dort geschah etwas Überraschendes: Die Axolotl-Weibchen wurden plötzlich erwachsen, verließen das ihnen zugewiesene Aquarium und verloren zugleich ihre Fähigkeit zur Regeneration.

Die Stammzellenforschung steht heute vor der Frage, ob der Mensch Eigenschaften besitzt oder entwickeln könnte, die mit denen des Axolotl vergleichbar sind. Dann könnten z.B. durch Unfall abgetrennte Gliedmaßen oder durch Krankheit zerstörte innere Organe ersetzt werden. Ein schöner Traum?

Selbst wenn es der Wissenschaft in den nächsten Jahren gelingen sollte, den Code des Axolotl vollständig zu entschlüsseln: Was bleibt, ist das Staunen über ein Wunder der Natur, das schon den Azteken heilig war.


 

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