Vom Mauerbau zur Wiedervereinigung


Foto: Niko Natzschka
Eine deutsch-deutsche Familiengeschichte

Mein Geburtsjahr 1961 ist zugleich das Jahr des Mauerbaus. Meine Taufe fand zwei Wochen vor dem 13. August in Westberlin statt. Mein Taufpate und Namensgeber war ein damals 17-jähriger Schüler aus der DDR.

Die Mauer war für mich als Kind etwas Festes, Unumstößliches: Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es einmal war, als es sie noch nicht gab. Alle Spaziergänge mit meinem Großvater – sei es im Grunewald oder im Tiergarten - endeten an der Mauer. Oft stand ich mit meinem Großvater auf einer Aussichtsplattform in der Nähe des Reichstages und sah hinter der Mauer das Brandenburger Tor, das so nah und zugleich so fern war.

Mein Großvater war als Wasserbauingenieur für den Ausbau des Teltow-Kanals zuständig und arbeitete gerade an einem Buch mit dem Titel "Berlin und seine Wasserstraßen". Über seinem Schreibtisch hing ein Bild von der Pirker Talsperre, die in den Jahren 1936 bis 39 unter seiner Leitung gebaut worden war. Diese Talsperre dient bis heute der Regulierung der Weißen Elster und bewahrt die Stadt Plauen vor Hochwasser.

Mein Pate machte Abitur und studierte in Leipzig Theologie. Am 30. Mai 1968 demonstrierte er in Leipzig gegen die von Walter Ulbricht befohlene Sprengung der gotischen Universitätskirche St. Pauli. Er wurde verhaftet und kam nach Bautzen ins Gefängnis.

Das Jahr 1990 ist für mich voller unvergesslicher Erlebnisse: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben durchs Brandenburger Tor geschritten. Ich bin erstmals durch die Pirker Talsperre geschwommen. Und ich habe – zum ersten Mal seit meiner Taufe - meinen Paten Niko wiedergesehen, der inzwischen rehabilitiert worden ist und heute als Klinikpfarrer in Dresden arbeitet. Die – in neuer Form – wiederaufgebaute Paulinerkirche in Leipzig soll noch in diesem Jahr eingeweiht werden.


 

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