Wie sag ich's meinem Kinde?

Maria oder Beate

Als ich vor kurzem durch die Theaterstraße ging, fiel mir auf, dass im Haus Nummer 4 eine neue Filiale der Beate Uhse AG eröffnet worden ist. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches, denn das "Fachgeschäft für Ehehygiene", wie es früher genannt wurde, fügt sich gut in das Ambiente der benachbarten Bahnhofstraße ein. Bemerkenswert finde ich nur, dass man dieses Geschäft nur durch ein barockes Portal betreten kann, das die jungfräuliche Maria mit dem Jesuskind zeigt.

Das Haus Theaterstraße 4 wurde im Jahr 1760 durch Lucas van der Auvera gebaut. Die barocke Fassade geht auf einen Entwurf von Balthasar Neumann aus dem Jahr 1743 zurück. Im Mittelpunkt der Fassade steht das Portal mit der Figur "Maria vom Siege". Was dieser Name bedeutet, lässt sich auf den ersten Blick erkennen: Maria siegt über einen Drachen, der zu ihren Füßen liegt. Dabei hilft ihr das Jesuskind, das einen goldenen Stab in seinen Händen hält.

Darüber strahlt das Auge Gottes, das jeden Besucher dieses Hauses in eigentümlicher Weise fixiert. Wer durch das barocke Portal geht, hat mit der Buchhandlung auf der linken Seite immerhin noch eine kulturelle Alternative zum Sexshop auf der rechten. Wer sich dennoch für die rechte Seite entscheidet, wird vielleicht das folgende Gespräch hören.

Kind: "Mama, was macht der Mann da?". Maria: "Er sucht Liebe". Kind: "Hat er keine Frau?". Maria: "Nein, er ist ganz allein". Kind: "Wird er hier eine finden?". Maria: "Nein, ganz im Gegenteil. Er wird mit jedem Besuch in diesem Haus noch einsamer werden". Kind: "Meinst du, dass Gott auf ihn zornig ist?". Maria: "Nein, Gott ist nicht zornig. Er ist nur traurig. Er hat sich alles ganz anders gedacht: Er hat Mann und Frau füreinander geschaffen, damit sie nicht allein sind. Er will, dass sie ein Leben lang beieinander bleiben und miteinander glücklich werden".


 

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