Du hast es bloß noch nicht probiert

Ein Brief zum neuen Jahr

An meinen Sohn. Lieber Johannes, das neue Jahr hat gerade erst begonnen. Darum will ich Dir Mut machen, in diesem Jahr etwas zu tun, was Du noch nie getan hast. Du kannst noch nicht richtig schwimmen. Du kannst auch nicht schnell laufen. Du kannst weder hoch noch weit springen. Das alles kannst Du nicht, glaubst Du. Aber Du irrst Dich. Du hast es bloß noch nicht probiert.

Lieber Johannes, Du kannst nicht singen. Du kannst auch nicht tanzen. Du kannst nicht Klavier spielen. Nicht einmal Flöte. Du kannst keine Melodie halten. Du kennst keinen Rhythmus. Du kannst Dich nicht in einen Chor einfügen. Das alles kannst Du nicht, glaubst Du. Aber Du irrst Dich. Du hast es bloß noch nicht probiert.

Lieber Johannes, Du kannst nicht in die Geschichte eingreifen. Du kannst die Mächtigen dieser Welt nicht beeinflussen. Du kannst keine Katastrophe verhindern. Du kannst das Leid der Menschen nicht lindern. Das alles kannst Du nicht, glaubst Du. Aber Du irrst Dich. Du hast es bloß noch nicht probiert.

Lieber Johannes, Du kannst keinem Menschen vertrauen. Denn vielleicht nutzt er Dich aus? Du kannst keinen Menschen lieben. Denn Du weißt ja nicht, ob er diese Liebe erwidert. Du kannst keinem Deine Liebe gestehen. Denn vielleicht lacht er Dich aus? Das alles kannst Du nicht, glaubst Du. Aber Du irrst Dich. Du hast es bloß noch nicht probiert.

Lieber Johannes, Du kannst Deine Ängste nicht überwinden. Du kannst Deine Zweifel nicht ablegen. Du kannst Dir Deine Fehler nicht verzeihen. Du kannst nicht glauben, dass Gott da ist, dass er es gut mit Dir meint und dass er in Deinem Leben alle Dinge zum Besten wenden wird. Das alles kannst Du nicht, glaubst Du. Aber Du irrst Dich. Du hast es bloß noch nicht probiert. Dein treuer Vater.


 

 

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