Ein Baum trägt Früchte

Vom Segen einer Stiftung

"Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand". Mit diesen Worten beginnt ein Gedicht von Theodor Fontane (1819-1898). Dieses Gedicht handelt von einem Gutsherrn, der jedes Jahr im Herbst seine Birnen erntet und an die Kinder des Dorfes verschenkt. Als der Herbst seines Lebens gekommen ist, erkennt er, dass sein Sohn zwar Haus und Hof übernehmen wird - aber nicht seine Großzügigkeit. Darum verfügt er, dass bei seiner Beerdigung eine Birne ins Grab gelegt wird. Als der Sohn den Garten sperren lässt, wächst aus dem Grab ein neuer Baum, der die Kinder der nächsten Generation mit Birnen versorgt. "So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland".

Wilhelm H. Ruchti wurde am 28. September 1912 in Würzburg geboren. Er wuchs im Haus seiner Eltern in der Virchowstr. 10 auf und besuchte die Oberrealschule am benachbarten Sanderring. Nach dem Abitur machte er eine Lehre als Bankkaufmann. Dann wurde er zum Wehrdienst einberufen und erlebte den Krieg in Russland. Als er Ende Mai 1945 nach Würzburg zurückkehrte, fand er in der Virchowstr. 10 sein am 16. März zerstörtes Elternhaus vor.

In der Ruine dieses Hauses eröffnete er im August 1948 seine Firma "Anzeigenkontor Ruchti und Co". Zu dem von ihm betreuten Publikationen gehörten das Vorlesungsverzeichnis der Universität Würzburg und das evangelische Dekanatsblatt Monatsgruß. Wilhelm Ruchti war als ehrenamtlicher Mesner in der Dekanatskirche St. Stephan tätig und unterstützte eine Schüler- sowie eine Studentenverbindung. Den Wiederaufbau seiner Ruine, die er als Mahnmal gegen den Krieg verstand, lehnte er stets ab.

Als Wilhelm Ruchti am 16. März 2005, dem 60. Jahrestag der Zerstörung Würzburgs, starb, hinterließ er ein beträchtliches Vermögen, das in eine nach ihm benannte Stiftung überging. Diese Stiftung dient der Förderung junger Wissenschaftler an der Universität Würzburg.

Das Haus in der Virchowstr. 10 wird in diesem Jahr wieder aufgebaut. Die Steine der Ruine werden in den Neubau integriert. Nur der Baum, der in der Ruine stand, ist nicht mehr da. Doch die Stiftung steht vor ihrer ersten Ausschüttung.


 

 

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