Ein Gebet in der Nacht

Zwischen Zweifeln und Hoffen

Nein, ich bin meiner Sache nicht sicher. Was das Ende betrifft und den Tod, der auch mich eines Tages ereilen wird. Der mich austilgen wird für immer. Daran ist kein Zweifel.

Und doch bin ich manchmal nicht sicher. Ich zweifle am Augenschein und denke nach, ob nicht doch etwas bleibt. Von dem, was ich war. Ob nicht doch in der Erde, im Holz oder im Stein eine Spur sich unvergessen erhält. Ob nicht doch einer ist, der mich bei meinem Namen ruft, vielleicht. Der mir sagt, dass ich bin. Dass ich sein soll für immer. Und dass ich leben werde bei ihm. Nein, ich bin meiner Sache nicht sicher. Was das Ende betrifft und den Tod. Gegen den Augenschein hoff ich auf ihn.

Manchmal, mitten in der Nacht, wache ich auf. Und plötzlich habe ich den Wunsch, mich zu bedanken. Und ich weiß nicht, bei wem. Ich möchte einfach nur danken. Für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter. Die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen. Für den Schnee und den Wind. Den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge. Für die Luft, die ich geatmet habe. Und den Blick auf die Sterne. Und für all die Tage, die Abende und die Nächte. Ich habe den Wunsch, mich zu bedanken. Und ich weiß nicht, bei wem.

Manchmal, mitten in der Nacht, wache ich auf. Dann habe ich Sehnsucht, mit jemandem zu reden. Und ich weiß nicht, wie. Mir fehlen die Worte. Ich kann auch nicht beten. Doch plötzlich betet es in mir. Erst leise und dann immer lauter. Wie eine Stimme aus ferner Kindheit betet es in mir:
"Wenn ich rufe, wirst du mich hören, wird mein Lied dich erreichen, wo du wohnst. Wenn ich zweifle, wirst du mich trösten, wird dein Arm mich bewahren in der Not. Ich beginne deinen Worten zu vertraun. Sie sind mir wie ein Sonnenstrahl im Regen. Ich war soweit entfernt von dir. Doch jetzt bist du mir nah. Komm und hilf mir. Herr, hilf mir, dich zu sehn".


 

 

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