Nachgedacht

Vertrauen in die Zukunft

Zur Einweihung der Gethsemanekirche

Vor zwei Wochen wurde die neue Gethsemanekirche auf dem Heuchelhof eingeweiht. Der Name dieser Kirche spricht für sich: Denn der Garten Gethsemane war schon vor 2000 Jahren ein Ort des Leidens und der Anfechtung. Das Leiden der evangelischen Gemeinde währte 20 Jahre, ehe sie die beengten Räume in der Den Haager Straße verlassen konnte. Der unfreiwillige Abschied von dem langjährigen Pfarrer Ulf Claussen ist für die Christen auf dem Heuchelhof bis heute ein Grund zur Anfechtung.

Doch alle Enttäuschungen und Rückschläge haben dieses Projekt nicht aufhalten können. Dass die evangelische Kirche in einer Zeit rückläufiger Einnahmen einen so beachtlichen Neubau gewagt hat, spricht für ihren Mut und ihr Vertrauen in die Zukunft. Schon lange nicht mehr haben sich die Würzburger Protestanten so fröhlich und so selbstbewusst präsentiert, wie bei der Einweihung der Gethsemanekirche. Neben den spitzen Türmen der Johanniskirche hat die evangelische Kirche nun ein weiteres architektonisches Merkmal, das die Skyline am Straßburger Ring wohltuend auflockert.

Der Architekt Alexander Freiherr von Branca hat mit seinem Werk unter Beweis gestellt, dass auch eine moderne Kirche schön sein kann. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sich die Gemeinde, die zum großen Teil aus Aussiedlern besteht, in dieser Kirche wohl fühlen wird. Ich frage mich nur: Werden auch die Kinder und Enkel dieser Aussiedler noch in die Kirche gehen? Oder wird die Gethsemanekirche in 20 Jahren genauso leer stehen wie manch andere Kirche schon heute?

Und noch etwas: Wer Kirchen baut, muss auch in der Lage sein, sie zu unterhalten. Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Würzburg wird die immer drückender werdende Last des Bauunterhalts nicht mehr lange tragen können. Sie wird sich, so schmerzlich das ist, von dem einen oder anderen Gebäude trennen müssen. Es gehört Mut dazu, eine neue Kirche zu bauen. Aber es gehört auch Mut dazu, eine alte Kirche zu schließen, die nicht mehr gebraucht wird.


 

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