Händels Sternstunde

Erzählt von Stefan Zweig

"Sternstunden der Menschheit". So heißt das bekannteste Werk des österreichisch-jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig, dessen Geburtstag sich am 28. November zum 125. Mal gejährt hat. Die "Sternstunden" aus dem Jahr 1927 sind eine Sammlung von 12 historischen Begebenheiten, deren Auswirkungen die Geschichte der Menschheit maßgeblich beeinflusst haben.

Stefan Zweig beschreibt u.a. die Einnahme der christlichen Metropole Byzanz durch die islamischen Osmanen (1453), die Entdeckung des Pazifischen Ozeans durch den Spanier Balboa (1513), den Sieg über Napoleon in der "Weltminute von Waterloo" (1815), den Wettlauf zwischen dem Engländer Robert Scott und dem Norweger Roald Amundsen zum Südpol (1912) und die Fahrt des russischen Revolutionärs Lenin im versiegelten Zug von Zürich nach St. Petersburg (1917).

Die schönste "Sternstunde" ist für mich jedoch "Die Auferstehung Georg Friedrich Händels". Am 13. April 1737 wurde der deutsche Komponist in seiner Wahlheimat England von einem schweren Schlaganfall ereilt, der zu einer halbseitigen Lähmung führte. Bei einer Bäderkur in Aachen blieb Händel – gegen den Rat seiner Ärzte – täglich bis zu zehn Stunden im heißen Wasser. So konnte er seine Lähmung überwinden und schon bald nach London zurückkehren.

Als Dank an Gott für seine unerwartete Genesung schrieb Händel in nur 24 Tagen das Oratorium "Der Messias", das – genau fünf Jahre nach seinem Schlaganfall - am 13. April 1742 in Dublin uraufgeführt wurde. Den Erlös dieses Konzertes sowie aller weiterer Aufführungen des "Messias" spendete Händel für karitative Zwecke.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurde der erste Teil des Oratoriums sowie der Schlusschoral des zweiten Teils, das "Halleluja", zu einem festen Bestandteil von Adventskonzerten, während die beiden anderen Teile vorzugsweise in der Passionszeit aufgeführt wurden. Händel starb in der Nacht nach dem 13. April 1759, einem Karfreitag, in der Hoffnung auf seine persönliche Auferstehung.


 

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