Das Kreuz als Zeichen

Vom Glauben der Seefahrer

"Warum ist der Anker ein christliches Symbol? Weil das Schiff Kirche einfach nicht vom Fleck kommt!". So hat es der Pfarrer und Karikaturist Werner Küstenmacher einmal scherzhaft formuliert. In Wirklichkeit ist es anders: Der Anker steht für das Kreuz. Und das Kreuz war schon immer ein Zeichen des Aufbruchs und nicht des Stillstands. Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass die Kirche immer wieder den Anker lichtet und aufbricht, um eine neue Welt zu entdecken - so wie es Columbus getan hat, als er einen neuen Seeweg nach Indien suchte und dabei Amerika entdeckte. Das erste, was er in der neuen Welt tat, war folgendes: Er ließ ein Kreuz aufrichten.

Das Kreuz ist das Zeichen der Seefahrer. Es findet sich in der Form des Ankers, in der Form des Mastes und sogar in der Formation der Sterne. Als die Seefahrer Australien entdeckten, da wurden sie geleitet von einem kreuzförmigen Sternbild, dem "Kreuz des Südens". In einem alten Gebet heißt es: "Wir bitten dich, Herr: Wie das Kreuz des Südens die Seefahrer durch den nächtlichen Ozean leitet, so leite uns Tag für Tag das Zeichen des Kreuzes. Rüttle uns auf, Herr, damit wir kühner werden und uns hinauswagen auf das weite Meer, wo uns die Stürme deine Allmacht offenbaren, wo wir mit schwindender Sicht auf das Ufer die Sterne aufleuchten sehen".

Der französische Schriftsteller Paul Claudel (1868-1955) erzählt in seinem Drama "Der seidene Schuh" (1929) von einem Schiff, das von Seeräubern überfallen wird. Diese Seeräuber rauben das Schiff aus. Sie binden den Kapitän an den Mast. Dieser Mast hat die Form eines Kreuzes. Dann versenken sie das Schiff. Während das Schiff von einem Wasserstrudel in die Tiefe gezogen wird, bricht der Mast plötzlich ab. So wird der Kapitän mit dem Mast an die Oberfläche getragen und treibt sicher zum nahegelegenen Land. Da betet der Kapitän: "Herr, ich danke dir dafür, dass ich mit dem Kreuz verbunden bin - und das Kreuz mit mir. Denn dieses Stück Holz hat mein Leben gerettet".


 

 

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