Manchmal genügt ein Lächeln

Die Golden Gate Bridge

Ausgerechnet am Pfingstsonntag feiert die Golden Gate Bridge in San Francisco ihren 70. Geburtstag. Am 27. Mai 1937 um 12.00 Uhr mittags eröffnete der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt, der sich im Weißen Haus in Washington befand, das Bauwerk mit einem telegrafischen Signal. Seitdem überspannt die 2,7 km lange Brücke das Goldene Tor, das die Bucht von San Francisco mit dem Pazifischen Ozean verbindet.

Die Golden Gate Bridge, die bis 1964 die längste Hängebrücke der Welt war, gilt bis heute als technische Meisterleistung. Die Fundamente mussten in einer von starken Strömungen geprägten Meerenge versenkt werden. Die Pfeiler sind 227 Meter hoch, die Kabel 92 cm dick. Mehr als 600.000 Nieten wurde verarbeitet, die letzte Niete besteht aus purem Gold. Auch die Wartung ist aufwendig: Mehr als 20.000 Liter der Farbe "International Orange" werden jährlich gebraucht, um die Brücke vor der Korrosion zu schützen.

Nur beim Geländer hat der 1,50 m große Chefingenieur Joseph B. Strauss gespart: Es ist nur vier Fuß hoch. "Wer würde schon von der Golden Gate Bridge springen wollen?", fragte Strauss einen Reporter, der ihn bei der Einweihung auf die Sicherheit des Bauwerks ansprach. Keine 100 Tage später gab ihm der 47-jährige Kriegsveteran Harold Wobbler als Erster die Antwort.

Mehr als 2.000 Menschen sind ihm seitdem gefolgt und haben der Golden Gate Bridge den zweifelhaften Beinamen "Brücke ins Jenseits" eingebracht. Einige Schicksale beschreibt der amerikanische Journalist Tad Friend in seiner 2003 erschienenen Studie "Jumpers". Er erzählt darin von einsamen, traurigen Menschen, die nicht selten ratlose und verzweifelte Angehörige zurücklassen.

Als ein Springer, Mitte 30, im Jahr 1963 zur Golden Gate Bridge aufbrach, hinterließ er in seinem Büro eine Nachricht. Sie lautete: "Ich werde jetzt zur Brücke gehen. Wenn mich auf dem Weg zur Brücke eine einzige Person anlächelt, werde ich nicht springen". Er verschwand ohne jede Spur.

Dieses Beispiel hat mich sehr betroffen gemacht. Ich denke oft, dass meine Kraft nicht ausreicht, um einem anderen Menschen zu helfen. Dabei ist es gar nicht schwer. Manchmal genügt ein Lächeln. Und plötzlich ist es Pfingsten.


 

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