Maria im Weinberg
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Foto: Niko Natzschka

Maria im Weinberg

Die schöne Madonna

Muss ich mich schämen, wenn ich meinen Urlaub zuhause verbringe? Keineswegs! Denn auch das Frankenland kann im Sommer sehr reizvoll sein. Neulich bin ich mit meinem Fahrrad zur Mainschleife nach Volkach gefahren. Dort liegt oberhalb des Mains umgeben von Weinbergen die Wallfahrtskirche "Maria im Weinberg". Zu dieser Kirche führt eine schmale Straße hinauf, die von den Stationen eines Kreuzwegs gesäumt wird.

Der Weg ist steil, die Sonne heiß. Darum steige ich ab und schiebe das Fahrrad bis zu einem großen Torbogen, in dem ich meine Eintrittskarte löse. Als ich die Kirche betrete, schlägt mir eine angenehme Kühle entgegen. In den Bänken sitzt eine Gruppe von Touristen. Vor ihnen steht eine ältere Dame, die gerade das Kunstwerk "Maria im Rosenkranz" erklärt.

Diese Holzplastik wurde im Jahr 1521 von Tilman Riemenschneider (1460-1531) geschaffen und hängt in der Mitte des Chorraums. Im Mittelpunkt steht Maria, die das Jesuskind auf ihrem linken Arm trägt. Maria steht auf einer Mondsichel und ist von einem Strahlenkranz umgeben, um den sechs Engel schweben. Den äußeren Rahmen bildet ein Oval aus 50 Rosen mit fünf Medaillons, die Stationen aus dem Leben Marias zeigen.

"Bitte beachten Sie die Haare der Madonna", sagt die Fremdenführerin gerade. "Sie sind gelockt. Jede Strähne ist einzeln herausgearbeitet". "Auch die Haare der Dame können sich sehen lassen", denke ich unwillkürlich. Die grauen Locken glänzen silbern im Sonnenlicht. Der Mund und die Augenlider sind dezent geschminkt. Sie schaut mich nicht an.

"Sehen Sie sich das Kleid der Madonna an", sagt sie. "Der Faltenwurf ist typisch für Riemenschneider". "Auch ihr Kleid ist hübsch anzuschauen", denke ich mir. Die tiefblaue Farbe und der klassische Schnitt strahlen eine schlichte Eleganz aus. Handtasche und Schuhe passen zusammen. Und erst die Figur ...

"Die Figur ist leicht geschwungen", sagt sie zu den Touristen. "Wenn Sie genau hinschauen, erkennen Sie den Buchstaben S". Die Fremdenführerin ist schlank, aber keineswegs dünn. Sie dreht sich um mit einem leichten Schwung und sieht mich an. Auf ihrem Kleid leuchtet ein kleines Schild mit dem Namen Maria. "Haben Sie noch eine Frage?", fragt sie. "Nein", stottere ich. "Ich muss mir nur noch eine Postkarte kaufen".


 

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