Menschen im Hotel

Nähe und Distanz

"Ich möchte alleine sein". Dieser Satz stammt aus dem Film "Menschen im Hotel", genauer gesagt: aus dem Mund der schwedischen Schauspielerin Greta Garbo. Sie wurde am 18. September 1905 unter dem Namen Greta Lovisa Gustafsson in Stockholm geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters, eines Seemannes, musste sie bereits im Alter von 14 Jahren als Verkäuferin in einem Stockholmer Kaufhaus arbeiten, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern. Durch Werbeaufnahmen für dieses Kaufhaus kam sie an die Stockholmer Schauspielschule.

Dort wurde sie von dem schwedischen Regisseur Mauritz Stiller entdeckt, der ihr den klangvollen Namen "Greta Garbo" gab und sie 1925 mit nach Hollywood nahm. Während ihm der große Durchbruch versagt blieb, feierte sie einen Erfolg nach dem anderen. Als kühle Schöne aus dem Norden beeindruckte sie zunächst in Stummfilmen und dann ab 1930 in Tonfilmen wie "Mata Hari", "Königin Christine" und "Anna Karenina".

Doch die "Göttliche", wie sie von ihren Verehrern genannt wurde, zeigte schon bald ihre menschliche Seite: Als ihr Film "Die Frau mit den zwei Gesichtern" beim Publikum nicht ankam, erklärte sie plötzlich im Alter von 36 Jahren ihren Rücktritt. Sie erhielt zwar 1954 noch einen Ehrenoscar für ihr Lebenswerk, mied aber ansonsten jeden öffentlichen Auftritt, gab keinerlei Interviews und lebte völlig zurückgezogen in ihrer New Yorker Wohnung bis zu ihrem Tod am 15. April 1990.

Für mich verkörpert Greta Garbo wie keine andere Schauspielerin den Wunsch des Menschen, beachtet, bewundert und geliebt zu werden, zugleich aber die Angst, von anderen Menschen verletzt zu werden. Manchmal denke ich mir: Wir ähneln den Menschen, die uns verletzen. Darum kommen wir denen, die wir lieben, nie wirklich nah. Im Hotel des Lebens, so scheint es, gibt es nur Einzelzimmer.


 

 

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