Sprich Bub

Konfirmation in Franken

"Schweig Bub!". So heißt ein Theaterstück des Schriftstellers Fitzgerald Kusz. Dieses Stück kam im Jahre 1976 in Nürnberg erstmals auf die Bühne und ist seit kurzem auch in Würzburg zu sehen. "Schweig Bub!" handelt von einer Konfirmationsfeier in Franken. Der Konfirmand heißt - wie alle Jungen von anno dazumal - Fritz. Seine Eltern haben die märchenhaften Vornamen Hans und Grete. Sie feiern zu Hause und versuchen, ein heiles Familienleben vorzuspielen.

Zu den Gästen gehören Onkel Willi und Tante Anna, die sich ständig streiten. Ein Bekannter mit dem Namen Manfred, der unter dem Pantoffel seiner Frau Gerda steht. Und eine Cousine namens Hannelore, die gerade eine Enttäuschung hinter sich hat und auf der Suche nach einem neuen Mann ist. Auch der Pfarrer ist zu dieser Feier eingeladen. Aber die Familie wartet vergeblich auf ihn. Stattdessen stehen plötzlich zwei Zeugen Jehovas vor der Tür.

Es gibt - wie auf jeder fränkischen Konfirmationsfeier - Schweinebraten und Kartoffelklöße. Es wird viel gegessen und noch mehr getrunken. Die Gäste erzählen von ihrer verpassten Schulbildung, ihrer kleinen Rente und von ihren Erlebnissen im Krieg. Und immer wenn der Junge sich zu Wort meldet, sagt die Mutter: "Schweig Bub! Das Essen wird kalt".

Dieses Theaterstück erscheint mir wie eine Chiffre für die Kirche, die sich einerseits nichts sehnlicher wünscht, als dass junge Menschen endlich wieder ihre leeren Bänke füllen, andererseits der Jugend keine Chance gibt, den Gottesdienst zu gestalten oder gar zu verändern. Die Konfirmanden von heute sind nicht weniger gläubig als ihre Eltern und Großeltern, auch wenn sich ihr Glaube nicht mehr unbedingt in der Sprache und den Dogmen der Kirche artikuliert. Ich lade alle diesjährigen Konfirmanden dazu ein, von ihren Rechten als mündige Christen reichlich Gebrauch zu machen. Nun höre ich auf zu reden und sage nur noch das eine: "Sprich Bub!".


 

 

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