Arbeit, Essen und Freizeit

Auf der Straße des Lebens

Die Zeppelinstraße im Würzburger Stadtteil Frauenland verdankt ihren Namen einem überdimensionalen Werbeträger, der einst über der Schokoladenfabrik Frankonia schwebte. Diese Fabrik war damals noch nicht in Veitshöchheim, sondern im Frauenland beheimatet und besaß einen aufblasbaren Zeppelin mit dem Firmenlogo.

Heute ist die Zeppelinstraße die wichtigste Verbindung zwischen der Würzburger Innenstadt und dem Unigelände am Hubland. Sie hat die Breite einer Spielstraße, aber das Verkehrsaufkommen einer Autobahn. Angesichts der regen Bautätigkeit auf dem Hubland ist in nächster Zeit wohl kaum mit einer Entspannung der Situation zu rechnen.

Die Zeppelinstraße besteht aus drei Teilen, die sich mit den Begriffen "Arbeit", "Essen" und "Freizeit" umschreiben lassen. Der untere Teil wird bestimmt vom Landratsamt, das durch die große Zahl seiner Mitarbeiter und Besucher stets von einem geschäftigen Treiben umgeben ist. Der mittlere Teil strahlt etwas mehr Ruhe und Behaglichkeit aus: Zwei Bäckereien laden zum Stehkaffee ein, und ein neu eröffnetes griechisches Restaurant bietet sogar einen Biergarten an. Der obere Teil besteht aus einer Parkanlage, einigen Schrebergärten und den Sportplätzen des Post SV Sieboldshöhe.

Die Zeppelinstraße spiegelt aber auch die sozialen Verhältnisse des Frauenlandes wider: Sie führt von den Wohnungen der Heimathilfe hinauf zu den Villen der Trautenauer Straße. Ich wohne seit einigen Jahren in der Mitte der Zeppelinstraße und empfinde sie mehr und mehr als Bild für mein Leben: Sie beginnt an einem Kindergarten und endet an einem Altersheim.

Manchmal ist das Leben schon in der Mitte der Straße zu Ende: Gerade dort, wo die Zeppelinstraße am steilsten ist, hängt an einem Baum ein frisch geflochtener Kranz. Er stammt von einer Mutter, die vor fünf Jahren an dieser Stelle ihre 16-jährige Tochter durch einen tragischen Unfall verloren hat. Jedesmal, wenn ich diesen Kranz sehe, denke ich an die Mutter und danke Gott für jeden Tag, den ich unbeschadet auf der Straße des Lebens gehen darf.


 

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