Nutzlos, aber nicht sinnlos

Die Tore von Christo

"Völlig irrational, unverantwortlich, nutzlos, mit nichts zu rechtfertigen - außer damit, dass wir es mögen". Mit diesen Worten beschreiben die Künstler Christo und Jeanne-Claude ihr neues Projekt "The Gates", das vom 12. bis 27. Februar im New Yorker Central Park zu sehen ist.

Mit ihren Helfern haben die Künstler auf 37 Kilometern Länge entlang der Fußwege mehr als 7500 Tore aus Kunststoff aufgestellt. Jedes dieser knapp 5 Meter hohen Tore steht mit beiden Beinen auf einem Stahlsockel und ist bis zu einer Höhe von gut 2 Metern mit einem farbigen Nylontuch behangen, das - nach dem Willen der exzentrischen Künstler - auf keinen Fall "orange", sondern nur "safran" genannt werden darf. Jeanne-Claude finanziert "The Gates" ausschließlich durch den Verkauf von Christos Skizzen und garantiert nach der Beendigung des Projekts für ein komplettes Recycling des Materials.

Christo und Jeanne-Claude entziehen sich - wie schon im Jahre 1995 bei der Verhüllung des Reichstages in Berlin - jedem Versuch, ihr Projekt zu verzwecken. Sie verkünden keine politische, religiöse, nicht einmal eine künstlerische Botschaft und verdienen am Verkauf der Kappen, Schals und T-Shirts keinen Cent.

Mir hat es Freude gemacht, am Tag der Eröffnung durch den Central Park zu bummeln und mitzuerleben, wie die Enthüllung jedes einzelnen Tores von den Besuchern aus aller Welt bejubelt wurde. Ich war wie verzaubert von den im Winde wehenden Tüchern, die einen traumhaften Kontrast bildeten zu den grauen Hochhäusern von Manhattan, den grünen Rasenflächen des Central Parks und der weißen Eisdecke der zahlreichen Seen. Es fiel mir nicht schwer, mitten im Park die beiden Künstler zu entdecken. Denn die Haare von Jeanne-Claude leuchteten im Sonnenlicht - nein, nicht orange, sondern safran.


 

 

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