Die Ulme von Hirsau

Entdeckung im Kloster

"Die Ulme von Hirsau". So heißt ein Gedicht des schwäbischen Schriftstellers Ludwig Uhland (1787-1862). Er beschreibt darin einen Baum, der bis 1989 in der Ruine des Klosters Hirsau im nördlichen Schwarzwald stand. Dieses Kloster war einmal das größte romanische Bauwerk auf deutschem Boden, doch es wurde im Jahre 1692 im Rahmen des pfälzischen Erbfolgekrieges von den Franzosen zerstört und anschließend von den Einheimischen als Steinbruch verwendet. Die traurige Geschichte dieses Klosters hält Ludwig Uhland nicht davon ab, in der Ruine ein romantisches Kunstwerk zu sehen, das durch den Baum in seiner Mitte eine neue Identität bekommen hat:

"Zu Hirsau in den Trümmern, / da wiegt ein Ulmenbaum / frisch grünend seine Krone / hoch überm Giebelsaum.
Er wurzelt tief im Grunde / vom alten Klosterbau. / Er wölbt sich statt des Daches / hinaus ins Himmelsblau.
Weil des Gemäuers Enge / ihm Luft und Sonne nahm, / so trieb's ihn hoch und höher, / bis er zum Lichte kam".

Der Baum, der seine Wurzeln im Kloster hat, aber seine Zweige in den Himmel streckt, wird von Ludwig Uhland nicht benannt. Doch schon der nächste Vers macht deutlich, wen er meint:

"Zu Wittenberg im Kloster / wuchs auch ein solcher Strauß / und brach mit Riesenästen / zum Klausendach hinaus".

Martin Luther lebte als Mönch in Wittenberg und rang in seiner Klosterzelle mit der Frage: "Wie finde ich einen gnädigen Gott?". Die Antwort entdeckte er eines Nachts beim Studium des Römerbriefs. Martin Luther erkannte, dass Gott den sündigen Menschen ohne sein Zutun gerecht macht "allein aus Gnade". Diese Erkenntnis stand auch im Mittelpunkt der 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Damit sprengte Martin Luther das Dach seines Klosters und gab seiner Kirche zugleich eine neue Identität.


 

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