Vor dem Altar der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Rüdenhausen schwebt seit der Barockzeit ein Taufengel
Foto: Niko Natzschka
Die Taufe

Die Taufe ist ein Ritus, der im Christentum seit der Zeit Jesu die Umkehr zu Gott und den Beginn eines neuen Lebens markiert. Das Neue Testament beschreibt den Wandel von der Bußtaufe zur Vergebung der Sünden bis hin zur Haustaufe in der Apostelgeschichte.

Schon im Alten Testament gibt es die Vorstellung, dass eine Verfehlung durch den Einsatz von Wasser beseitigt werden kann: "Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde" (Psalm 51,4). Der aramäische Feldhauptmann Naeman wird von einer schweren Krankheit geheilt, weil er sich – auf Geheiß des Propheten Elisa – siebenmal im Jordan wäscht (2. Könige 5,14). Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet von der Glaubensgemeinschaft der Essener, die regelmäßig – möglicherweise täglich - ein rituelles Bad nehmen, um sich von ihren Sünden zu befreien.

Von der Bußtaufe zur Haustaufe

Im Gegensatz zur Essenertaufe ist die Johannestaufe ein einmaliger Akt, der in der Öffentlichkeit von einem Täufer vollzogen wird. Der Evangelist Matthäus berichtet davon, dass Johannes das bevorstehende Himmelreich ankündigt und seine Zuhörer zur Umkehr auffordert (3,2). Viele Menschen, gemeint sind Erwachsene, bekennen ihre Sünden und lassen sich im Jordan taufen. Auch Jesus reiht sich in die Schar der Büßer ein und wird von Johannes getauft, wiewohl Paulus später die Sündlosigkeit Christi betont (2. Korinther 5,21).

Es gibt im Neuen Testament keinen Beleg dafür, dass Jesus selbst getauft hat. Der Evangelist Johannes erwähnt nur, dass seine Jünger Taufen durchgeführt haben – allerdings bleibt offen, in wessen Namen (4,2).

Von der Ablösung der Johannestaufe durch die christliche Taufe erzählt die Apostelgeschichte. Da trifft Paulus in Ephesus auf eine Gruppe von Johannesjüngern und tauft sie noch einmal "auf den Namen des Herrn Jesus" (19,5). Die trinitarische Taufformel "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" findet sich nur einziges Mal – und zwar am Ende des Matthäusevangeliums (28,19).

Es bleibt festzuhalten, dass Jesus selbst nicht als Kind, sondern als Erwachsener getauft worden ist. Jesus ist nach seiner Geburt nicht getauft, sondern – wie alle jüdischen Jungen - beschnitten und im Tempel dargestellt worden (Lukas 2,21f.). Er selbst hat Kinder auch nicht getauft, sondern nur gesegnet (Markus 10,16).

Gleichwohl beginnt schon in der Apostelgeschichte die Praxis der Kindertaufe. Die Purpurhändlerin Lydia und der Kerkermeister von Philippi bekehren sich und lassen sich taufen "mit ihrem ganzen Hause" (16,15.33). Mit dem "Haus" ist in diesem Fall nicht das Gebäude gemeint, sondern alle, die darin wohnen: der Ehepartner, die Kinder aber auch Bedienstete – eben alle, die zum Hausstand gehören.

 
Die Taufschale wird in den Lorbeerkranz gelegt, den der barocke Engel in seinen Händen trägt
Foto: Niko Natzschka
Die Taufe in der Lehre der Kirche

Die Wandlung von der Bußtaufe zur Haustaufe und damit auch zur Kindertaufe bringt zwei Probleme mit sich: Zum einen muss die Kirche erklären, dass bereits Säuglinge, die noch nichts Böses getan haben, Sünder sind, die der Vergebung bedürfen. Die Kirche löst dieses Problem mit der Lehre von Erbsünde, lat. peccatum originale originatum, das heißt: mit der Vorstellung, dass jedes Kind die Anlage zum Sündigen bereits in sich trägt und gar nicht die Möglichkeit hat, ein sündloses Leben zu führen.

Zum anderen muss die Kirche erklären, dass bereits die unmündigen Kinder an Gott glauben, auch wenn sie ihren Glauben noch nicht artikulieren können. Denn die Taufe ist – auch im Raum der Volkskirche - nicht denkbar ohne den Glauben. Die Kirche löst dieses Problem mit der Lehre vom Kinderglauben, lat. fides infantium, das heißt: mit der Vorstellung, dass jedes Kind bereits von Geburt an ein Urvertrauen in sich trägt.

Auch wenn das volkskirchliche Verständnis der Taufe im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder kritisiert worden ist, bietet es doch zwei entscheidende Vorteile: 1. Die Taufe ist nicht primär Leistung, sondern Geschenk. 2. Die Kinder sind vom Heil nicht ausgeschlossen.

Niko Natzschka

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