Invictus

Der Sieg über sich selbst

"Es spielt keine Rolle, wie eng eine Wasserstraße ist und wie schwer ein Navigationsfehler bestraft wird: Ich bin der Meister meines Schicksals. Ich bin der Kapitän meiner Seele".

Mit diesen Worten endet das Gedicht "Invictus" (1875) des englischen Schriftstellers William Ernest Henley (1849-1903). Dieses Gedicht hat dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela (geb. 1918) während der Zeit seiner Haft (1962-1990) – nach eigenem Bekunden – Kraft und Trost gegeben.

"Invictus", auf Deutsch "Der Unbesiegte", so lautet auch der Titel eines Films, der am 18. Februar in unsere Kinos kommen wird. Unter der Regie von Clint Eastwood spielt Morgan Freeman den Präsidenten Nelson Mandela, der sich die im Jahr 1995 von Südafrika ausgerichtete Rugby-WM zunutze macht, um das noch immer in Schwarz und Weiß geteilte Land - zumindest für einen Moment - zu einen.

Das Vorhaben gelingt: Die südafrikanische Nationalmannschaft, genannt die "Springboks", gewinnt unter der Führung von Francois Pienaar, gespielt von Matt Damon, völlig überraschend das Finale gegen den haushohen Favoriten Neuseeland. Dieser Sieg versetzt die überwiegend weißen Spieler und die überwiegend schwarzen Fans im Ellis Park von Johannesburg in einen kollektiven Freudentaumel.

Noch wichtiger als dieser sportliche Höhepunkt dürfte – historisch betrachtet – die Rede gewesen sein, die Nelson Mandela am 11. Februar 1990, dem Tag seiner Haftentlassung, gehalten hat. Vor 120.000 Menschen, die sich im Stadion von Soweto versammelt hatten, rief er nicht nur zur Überwindung der Apartheid, sondern auch zu einer "Politik der Versöhnung" auf.

Bis zum heutigen Tag hat Nelson Mandela darauf verzichtet, an denen, die ihm fast drei Jahrzehnte seines Lebens geraubt haben, Rache zu üben. Er hat sich von seinen Gegnern weder die Mittel noch die Ziele aufzwingen lassen, sondern ist sich – auch im Gefängnis - selbst treu geblieben. Ohne erkennbare Bitterkeit, dafür aber mit unerbittlicher Güte setzt er sich bis heute für Frieden und Freiheit ein.

Der eigentliche Sieg, den Nelson Mandela errungen hat, ist der Sieg über sich selbst. Darum ist er für mich "Der Unbesiegte" – ganz im Sinne von Henleys Gedicht: "I am the master of my fate. I am the captain of my soul".


 

Copyright © 1999-2017 Martin-Luther-Kirche, Würzburg. Alle Rechte vorbehalten.
Impressum, Datenschutz, Haftungsausschluß
.