April, April!

Kleiner Scherz – große Folgen

Es ist schon 16 Jahre her. Im Jahr 1991 fiel der 1. April auf einen Ostermontag. Ich war Vikar in einer fränkischen Landgemeinde und hatte den Gottesdienst zu halten. Trotz des frohen Anlasses empfand ich die Stimmung in der Kirche als ernst, ja beinahe gedrückt. Darum entschloss ich mich, die Abkündigungen durch einen kleinen Scherz aufzulockern.

Ich behauptete mit dem Brustton der Überzeugung, auf der benachbarten Autobahn sei ein tschechischer Eierlaster verunglückt. Der Fahrer sei - Gott sei Dank - unverletzt geblieben. Doch er habe sich an die Kirchengemeinde gewandt mit der Bitte, die Ladung von 50.000 rohen Eiern zu veräußern. Diese Eier könne man heute, am 1. April, zum Preis von drei Pfennig pro Stück im Gemeindehaus erwerben.

Kaum hatte ich den Segen gesprochen, stürzten die ersten Besucher nach draußen. "Es gibt Gaggeli", riefen sie, "ganz viele und sehr günstig". Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die frohe Kunde im ganzen Dorf. Wenig später strömten zahlreiche Bewohner mit Körben, Schüsseln und Taschen zum Gemeindehaus. Sie wollten sich angesichts der bevorstehenden Konfirmation mit rohen Eiern – auf fränkisch "Gaggeli" – eindecken. Doch die Türen des Gemeindehauses blieben verschlossen.

Die Nachbarn schauten aus ihren Fenstern. Plötzlich fing einer an zu lachen und rief "April, April!". Auch die anderen Nachbarn lachten und überhäuften die Gefoppten mit Hohn und Spott. Um es kurz zu machen: Mein kleiner Scherz hatte große Folgen. Ich wurde von meinem Dienstherrn gerügt und musste mich öffentlich entschuldigen.

Die Bewohner des Dorfes haben mir inzwischen verziehen. Aber vergessen haben sie meinen Aprilscherz nicht. Noch heute bin ich für sie der "Ostergaggelipfarrer".

Doch ich habe daraus gelernt. Ich weiß jetzt, warum es Martin Luther so wichtig war, den Ernst des Glaubens zu betonen: "Da jammert Gott in Ewigkeit / mein Elend übermaßen. / Er dacht an sein Barmherzigkeit, / er wollt mir helfen lassen. / Er wandt zu mir das Vaterherz, / es war bei ihm fürwahr kein Scherz, / er ließ's sein Bestes kosten".


 

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