Begegnung im Gefängnis

Der Papst und sein Attentäter

Ali Agca kommt frei. In den nächsten Tagen wird der Papst-Attentäter nach fast 25 Jahren Haft aus einem türkischen Gefängnis entlassen. Am 13. Mai 1981 verübte der damals 23-jährige auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat auf Papst Johannes Paul II., der durch mehrere Kugeln schwer verletzt wurde. Die Hintergründe dieses Attentats konnten bis heute nicht aufgeklärt werden. Das liegt vor allem daran, dass Ali Agca über sein Motiv und seinen möglichen Auftraggeber noch immer beharrlich schweigt.

Da das Attentat genau auf den Tag fiel, an dem im Jahr 1917 in Fatima zum ersten Mal die Jungfrau Maria erschienen sein soll, schrieb Johannes Paul II. seine Bewahrung der Mutter Jesu zu und bedankte sich ein Jahr später mit einem Besuch in dem portugiesischen Wallfahrtsort.

Auch wenn die Verknüpfung dieser beiden Ereignisse mir als nüchternem Protestanten nicht einleuchtet, hat mich eine andere Geste des Papstes seinerzeit tief berührt: Am 27. Dezember 1983 besuchte Johannes Paul II. den Mann, der ihm nach dem Leben getrachtet hatte, im Gefängnis. Die Bilder von diesem Besuch gingen um die Welt:

Links sitzt der Papst in seinem weißen Gewand, rechts Ali Agca mit seinem blauen Pulli und einem Dreitagesbart. Nach zwanzig Minuten Gespräch steht Johannes Paul II. auf, legt seinen Arm um die Schulter des Attentäters und sagt: "Der Herr hat mir und, ich glaube, auch ihm, die Gnade gegeben, dass wir uns als Männer und als Brüder begegnet sind".

Es gibt für mich keinen Zweifel: Die Begegnung mit Ali Agca hat Johannes Paul II. verändert. Als erster Papst betrat er in Rom eine Synagoge und in Damaskus eine Moschee. Er empfing den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow im Vatikan und besuchte das kommunistische Kuba. Ob die Begegnung mit Johannes Paul II. auch Ali Agca verändert hat, wird sich jetzt erweisen.


 

 

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