Friedrich und Beatrix

Hochzeit unterm Schwibbogen

An der Decke des Kaisersaales der Würzburger Residenz hat der Maler Giovanni Battista Tiepolo einen wichtigen Moment aus der Geschichte der Stadt festgehalten: Die Hochzeit von Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, und der Prinzessin Beatrix von Burgund im Jahre 1156. Die barocke Verklärung dieses Ereignisses lässt vergessen, dass die mittelalterliche Trauung wohl kaum die Erfüllung einer Liebesromanze, sondern eher ein Ergebnis des politischen Kalküls gewesen ist. Denn der Bräutigam war im Jahr seiner Hochzeit bereits 31 Jahre alt, seine Braut dagegen erst 12. Dieser Altersunterschied hat den Maler Tiepolo offenbar so peinlich berührt, dass er die Braut mit dem Pinsel in eine reife Mittzwanzigerin verwandelte.

Vermutlich hat die Hochzeit von Friedrich und Beatrix am staufischen Königshof im alten Mainviertel stattgefunden. Möglicherweise wurde sie sogar in der romanischen Kapelle vollzogen, die heute den Turmsockel der gotischen Deutschhauskirche bildet.

Diese Kirche wurde nach dem Ende der Stauferzeit vom Deutschen Orden gebaut und mit dem für sie typischen Schwibbogen versehen, der den Würzburger Bürgern den Zugang zum Schottenanger sicherte. Nach der Auflösung des Deutschen Ordens durch Napoleon diente die Deutschhauskirche dem bayerischen Staat als Militärlager. Sie wurde im Jahr 1922 den Würzburger Protestanten übergeben, die das Gebäude binnen eines Jahres in ein schmuckes Gotteshaus verwandelten. Während der Speisesaal der Ordensbrüder, der Remter, bis 1982 zu einem Gemeindesaal umgebaut wurde, blieb die romanische Kapelle im Turmsockel bis zuletzt eine Rumpelkammer. Doch nun hat sich der Kirchenvorstand der Deutschhauskirche entschlossen, diese Kapelle zu renovieren und den vermauerten Zugang zum Schottenanger wieder zu öffnen.

Ich wünsche allen Brautpaaren, die in diesem Jahr unter den Schwibbogen der Deutschhauskirche treten, dass sie sich von der historischen Bedeutung dieses Ortes anrühren, aber nicht von der Motivation des Stauferkaisers leiten lassen: Muss-Ehen muss es nicht geben.


 

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