Fingerzeig nach oben

Werbung am Kirchturm

"Die Kirche hat das beste Logo aller Zeiten erfunden", hat Luciano Benetton einmal gesagt, "das Kreuz". Die Werbung hat die Kraft religiöser Symbole längst erkannt: Neben Heidi und dem Geißenpeter wirbt neuerdings ein älterer Herr im Priesterrock für "die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt".

Die echten Pfarrer dürfen sich jedoch von der Werbung nicht vereinnahmen lassen. Sie rauchen nicht, höchstens mal eine David-off. Sie trinken nicht, höchstens mal ein Gläschen Maria-cron. Aber sie dürfen laut Pfarrergesetz keine Werbung im Talar für die lila Pause machen.

Der Kirche sind solche Beschränkungen nicht auferlegt. Darum wurden in diesem Jahr an den beiden Türmen der Dekanatskirche St. Stephan mehrere große Werbeplakate einer Würzburger Bekleidungsfirma angebracht, um die dringend erforderliche Renovierung der Kirchtürme zumindest teilweise zu finanzieren.

Ein solcher Schritt ist innerhalb der evangelischen Kirche freilich nicht unumstritten. Denn ein Kirchturm ist nicht nur ein Glockenträger, sondern ein Fingerzeig nach oben, ein Hinweis auf den Herrn, den die Kirche verkündigt. Darum wurden die Plakate auch nicht an den Türmen, sondern nur an dem Gerüst befestigt. Die Werbung ist also nur eine zeitlich befristete Maßnahme, die mit dem Abschluss der Bauarbeiten beendet sein wird.

Bevor die anderen Türme der Stadt auch noch mit Werbeplakaten geschmückt werden, sollte die Kirche jedoch über andere Wege der Finanzierung nachdenken. Der Würzburger Dekan Dr. Günter Breitenbach hat mit seinem Aufruf zur Gründung einer evangelischen Bürgerstiftung bereits ein wichtigen Anstoß gegeben. Die Kirche soll dadurch nicht reich werden, sondern nur die Freiheit behalten, das Wort vom Kreuz zu verkündigen. "Ihr seid teuer erkauft", mahnt schon der Apostel Paulus, "werdet nicht der Menschen Knechte".


 

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