Der Glaube verbindet

Zum Besuch des Bischofs

Es war an einem sonnigen Tag im Mai, als Johannes Friedrich seinen ersten Besuch als evangelischer Landesbischof von Bayern in der katholischen Bischofsstadt Würzburg machte. Doch weder der Besuch bei seinem Amtsbruder Paul-Werner Scheele noch sein Auftritt im Würzburger Presseclub noch seine Begegnung mit den Pfarrern des Dekanatsbezirks in Remlingen bekamen die Aufmerksamkeit, die ein winziges Detail in der Öffentlichkeit fand: Seine schlichte Amtskette scheint dem Bischof nun zu einem Fallstrick zu werden.

Anlass war das Gespräch von Johannes Friedrich mit dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Schuster, das im Gemeindezentrum in der Valentin-Becker-Straße stattfand. Nach diesem Gespräch fragte Dr. Schuster den Bischof, ob er noch einen kurzen Blick in die Synagoge werfen wolle. Johannes Friedrich nahm die Einladung an, er setzte eine jüdische Gebetskappe auf und ließ - nach einem Moment des Überlegens - das Kreuz in seiner Amtstracht verschwinden. Später entdeckte ein pfiffiger Journalist auf dem Pressefoto die dazugehörige Kette und kommentierte die Geste des Bischofs mit den Worten "Das Kreuz trennt, der Glaube verbindet".

Das Bild und der Kommentar haben eine breite Diskussion in der bayerischen Landeskirche ausgelöst, die bis zum heutigen Tag andauert. Die Leserbriefe im evangelischen Sonntagsblatt ließen den Eindruck aufkommen, dass einige konservative Protestanten nur einen Anlass gesucht haben, um den liberal eingestellten Landesbischof in der Öffentlichkeit zu demontieren.

Für mich ist klar, dass der Bischof durch seine Geste nicht den christlichen Glauben verleugnen, sondern dem jüdischen Volk Respekt erweisen wollte. Durch seine mehrjährige Tätigkeit als Propst von Jerusalem verfügt Johannes Friedrich über die notwendige Sensibilität im Umgang mit Juden.

Es versteht sich von selbst, dass sich der Bischof - wie jeder Pfarrer unserer Landeskirche - kritische Rückfragen zu seiner Amtsführung gefallen lassen muss. Es darf jedoch nicht sein, dass kirchenpolitische Auseinandersetzungen auf dem Rücken des jüdischen Volkes ausgetragen werden. Die Versöhnung von Christen und Juden muss ein gemeinsames Anliegen aller bayerischen Protestanten bleiben.


 

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