Ich habe Zeit

Ein Hamster verlässt sein Laufrad

"Ich habe keine Zeit". Diesen Satz nehme ich sehr oft in den Mund. Nur selten denke ich darüber nach. Heute will ich es tun.

Manchmal habe ich wirklich keine Zeit. Ich habe mehr Aufgaben übernommen, als ich bewältigen kann. Ich fühle mich wie ein Hamster im Laufrad, der immer schneller läuft und doch niemals ans Ziel kommt.

Manchmal habe ich gar nicht viel zu tun, aber ich fühle mich überfordert. Das liegt daran, dass ich mir meine Zeit nicht richtig einteilen kann. Ich springe planlos von einer Aufgabe zur anderen und bringe keine wirklich zu Ende.

Manchmal dient dieser Satz auch dazu, unerwünschte Ansprüche zurückzuweisen. Wenn ich sage "Ich habe keine Zeit", meine ich damit "Ich habe keine Zeit für Dich". "Ich will nichts mit Dir zu tun haben. Aber ich habe keinen Mut, es Dir zu sagen. Darum sage ich: Ich habe keine Zeit".

Manchmal steht hinter diesem Satz auch nur der Wunsch nach Beachtung. Es tut mir gut, von anderen wegen meiner Arbeitsbelastung bewundert oder bedauert zu werden. Zugleich hoffe ich, dass niemand auf den Gedanken kommt, mich zu entlasten. Denn dadurch würde er mir etwas von meiner Bedeutsamkeit nehmen.

Manchmal versuche ich auch, mit diesem Satz andere unter Druck zu setzen. Denn ich habe erkannt, dass meine Ansprüche umso schneller bedient werden, je öfter ich auf die Uhr schaue. Ich werde sogar gegenüber dem bevorzugt, der mehr Gelassenheit an den Tag legt als ich. Nur wenige haben den Mut, dem Diktat der Zeit zu widersprechen.

"Ich habe keine Zeit". Diesen Satz nehme ich sehr oft in den Mund. Doch ich will es künftig nicht mehr tun. Denn ich habe erkannt: Der Hamster kann sein Ziel nur erreichen, wenn er das Laufrad verlässt. Von nun an werde ich weder drängen noch mich drängen lassen. Ich werde nur noch sagen: "Ich habe Zeit. Auch für Dich. Hast Du auch Zeit für mich?".


 

 

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