Manchmal macht der Opa Sachen

Leben im Wandel der Zeiten

Manchmal macht der Opa Sachen, die mich froh und dankbar machen. Der Opa schätzt die alte Kost und trinkt dazu Apfelmost. Und gibt es einmal Quarkauflauf, so pickt er jeden Krümel auf. Er schnürt Päckchen für die Zone, Kaffee nur aus echter Bohne. Er trägt alte Schuh mit Senkeln und schenkt, was er hat, den Enkeln.

Manchmal macht der Opa Sachen, die mich froh und dankbar machen. Er schreibt noch in Sütterlin und zitiert gern Hölderlin. Er spielt Mundharmonika und singt das Lied "Veronika, der Lenz ist da, drum sag ich: Ja. Wir tanzen unterm Lindenbaum und leben unsern Sommertraum von Liebe, Glück und Zärtlichkeit bis an das Ende unsrer Zeit".

Manchmal macht der Opa Sachen, die mich still und traurig machen. Abends zählt er ganz alleine seine schwer ersparten Scheine und versteckt sie unterm Kissen, weiß nicht, dass es alle wissen. Plötzlich ruft er ganz erregt: Wer hat denn mein Geld verlegt? Habt Ihr Kinder mich bestohlen? Soll ich meinen Rohrstock holen?

Manchmal macht der Opa Sachen, die mich still und traurig machen. Er verwechselt, wie wir heißen, und zerbricht Geschirr aus Meißen. In der Küche dampft das Essen, denn er hat den Herd vergessen. Er schreibt Briefe ohne Zahl mit der alten Postleitzahl. Und beim Rechnen ist er stark, aber nur in Deutscher Mark.

Manchmal macht der Opa Sachen, die mich still und traurig machen. Er ruft: "Oma, komm mal her!". Doch sie lebt schon lang nicht mehr. Manchmal sagt er: "Ich muss gehen, hab die Welt genug gesehen". Und in solchen Augenblicken, kann ich ihn nur an mich drücken. "Opa, lass mich nicht allein. Denn ich will noch nicht Opa sein".


 

 

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